5.58 … 5.59 … das Schrillen einer alten Hupe durchbricht die friedliche Stille. Innert einer Sekunde bin ich hellwach, mit einem Puls von 180 greife ich nach meinem Telefon. Und ich drücke die Schlummertaste. Nur noch fünf Minuten, denke ich, den Kopf schon wieder in den Kissen vergraben …

Gleich darauf bin ich weggedöst. Das geht noch zweimal so. Nach dem dritten Druck auf die Schlummertaste greife ich mir wieder das Handy. Dieses Mal checke ich immerhin schon meine Mails und werfe einen kurzen Blick in die Zeitungen.

Um fünf nach halb sieben quäle ich mich dann aus dem Bett. Später geht nicht, sonst schaffe ich es nicht mehr rechtzeitig. Früher aber auch nicht, solange die Schlummertaste existiert, die schlechteste Erfindung, seit es den Wecker gibt. Sie lässt einen den schlimmsten Moment des Tages immer wieder erleben. Und trotzdem kann ich nicht einfach nach dem ersten Weckerklingeln die Beine aus dem Bett schwingen und frisch und munter in den Tag starten.

«So kann es nicht weitergehen», denke ich mir an einem dieser Morgen, irgendwann zwischen Schlummertaste drei und vier. Es gibt eigentlich keinen Grund, weshalb ich so schlecht aus den Federn komme. Weder gehe ich besonders spät ins Bett, noch schlafe ich besonders schlecht, trotzdem bekomme ich morgens kaum die Augen auf. Ich weiss aber, dass es im Winter deutlich schlimmer ist als im Sommer, wenn es schon hell ist oder im Laufe meiner morgendlichen Marter gerade Tag wird.

Ich lasse dieser Erkenntnis eine kurze Internet-Recherche folgen und plötzlich scheint mein Problem gelöst zu sein. Alles, was ich brauche, ist ein Tageslichtwecker. Also ein Wecker mit einer eingebauten Lampe, die Stück für Stück heller wird und so den morgendlichen Sonnenaufgang simuliert.

Dazu kann man sich einen angenehmen Ton aussuchen, zum Beispiel dezente Klavierklänge oder entspannendes Meeresrauschen. Dieser wird dann parallel mit dem heller werdenden Licht immer lauter, bis man – so meine Vorstellung – sanft wach wird, gleich aus dem Bett steigt und als zufriedener, ausgeglichener Mensch in den Tag startet.

Das will ich! Wenige Tage später installiere ich deshalb einen eineinhalb Kilo schweren Wecker mit eingebauter Lampe neben meinem Bett und programmiere: Volles Tageslicht um 6.15 Uhr, in der Viertelstunde davor wird das Licht langsam heller und dazu will ich fröhliches Vogelgezwitscher hören. Nachdem ich den Wecker nun schon einige Zeit in Betrieb habe, kann ich sagen: Das Konzept funktioniert eigentlich. Die Entwickler des Tageslichtweckers haben nur einen kleinen, aber verheerenden Fehler gemacht: Sie haben eine Schlummertaste eingebaut.

Mit ihr kann man den von Philips gemachten Sonnenaufgang – im Gegensatz zum echten – mit einem kleinen Knopfdruck ganz gemütlich noch um fünf, zehn, fünfzehn Minuten hinausschieben.

micheled Kolumne